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Konkrete Tipps zur Handaufzucht

in Paarung, Zucht & Aufzucht 19.07.2010 13:29
von streififreunde | 1.728 Beiträge

Bevor wir zu den konkreten Tipps zur Handaufzucht kommen, noch dies:

Um Missverständnisse auszuschliessen, möchten wir gleich von vorne weg klarstellen, dass wir nicht zu der Sorte von Züchtern gehören, die der Mutter ihre Jungen frühzeitig entreissen, um sie von Hand aufziehen, nur damit sie allenfalls etwas zutraulicher werden. Wir halten solche Praktiken für Tierquälerei und möchten uns deshalb entschieden von solchen Methoden distanzieren!!


Einige Tipps zur Handaufzucht

Bevor wir zu den Tipps zur Handaufzucht kommen möchten wir an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass es natürlich unterschiedliche Methoden gibt, Jungtiere von Hand aufzuziehen. Die nachfolgend erwähnten Ratschläge garantieren selbstverständlich keinen Erfolg. Bei Jungtieren mit einer guten Grundkonstitution haben sich die angewandten Mittel und Methoden jedoch bewährt.









Dehydration

Bevor man den Jungtieren eine Milchmischung verabreicht sollte man sich vergewissern, dass diese nicht dehydriert sind. Man testet dies, indem man die Haut des Tieres zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt und dann loslässt. Wenn die Haut nur langsam zurück weicht, dann ist dies ein deutliches Zeichen, dass eine Dehydration vorliegt. In diesem Fall muss dem Jungtier erst Flüssigkeit zugeführt werden, denn erst wenn dieses Problem gelöst ist, kann es Nahrung aufnehmen und verdauen. Ausserdem könnte sich das geschwächte Tier sonst verschlucken, was zu einer Lungenentzündung führen könnte.

Bei einer Dehydration kann folgender Flüssigkeitsersatz angeboten werden:

• ½ Teelöffel Salz
• 3 Teelöffel Traubenzucker oder ein wenig Honig
• 500mg abgekochtes Wasser


Bei starker Dehydration muss man den Flüssigkeitsersatz ca. alle 15 – 30 Min. verabreichen. Wenn sich der Zustand gebessert hat, reicht ein Rhythmus von 1 Std.

Die Flüssigkeit wird dabei in eine Einwegspritze aufgezogen und langsam in den Mund gespritzt. Man sollte darauf achten, dass sich das Jungtier nicht verschluckt. Die Flüssigkeit sollte nicht aus der Nase rinnen, denn das bedeutet, dass man diese zu schnell verabreicht hat.
Hat sich der Kreislauf der Jungtiere stabilisiert kann man dazu übergehen, Aufzuchtmilch zu verfüttern. Auf keinen Fall darf Kuhmilch verwendet werden! Diese verursacht heftigen Durchfall, der nicht selten zum Tod der Jungtiere führen kann.


Als Aufzuchtmilch verwenden wir folgende Grundmischung:

• 1 Teelöffel Katzen- Aufzuchtmilch von Gimpet
• 3 Teelöffel Fencheltee (1/2 dl abgekochtes Wasser mit einem Teelöffel Instantpulver)
• max. ¼ Teelöffel Kondensmilch
• evtl. eine Messerspitze Perenterol zur Vorbeugung von Durchfall

Besonders bei sehr jungen Hörnchen kann evtl. noch eine Messerspitze Calciumcarbonat beigemischt werden, das stärkt den Knochenaufbau.


Eine andere Grundmischung wäre:

• ½ Teelöffel Katzen- Aufzuchtmilch von Gimpet
• ½ Teelöffel Baby Heilnahrung HN 25 Aptamil von Milupa oder Humana Heilnahrung mit Bananengeschmack.
• 3 Teelöffel Fencheltee (1/2 dl abgekochtes Wasser mit einem Teelöffel Instantpulver)
• evtl. ¼ Teelöffel Kondensmilch
• evtl. eine Messerspitze Perenterol zur Vorbeugung von Durchfall


Streifenhörnchen trinkt Aufzuchtmilch

Hat man sich erst einmal für eine Milchmischung entschieden, sollte man dabei bleiben, denn jede Umstellung stellt eine Belastung für die Jungtiere dar.

Die Mischung sollte gut aufgerührt werden, damit sich keine Klumpen bilden (gegebenenfalls muss diese durch ein Teesieb passiert werden). Die Milchmischung sollte beim Verfüttern handwarm sein (ca. 37° – 39°C). Man kann die Milch testen indem man einen Tropfen auf das Handgelenk gibt. Damit die Milch warm bleibt, stellen wir das Milchgeschirr in ein heisses Wasserbad. Ist die Milch richtig temperiert kann diese in eine Einwegspritze aufgezogen und langsam verabreicht werden. Dabei sollte das Jungtier eine aufrechte Position einnehmen. Am einfachsten ist es, wenn man es dabei in die Hand nimmt oder es auf dem Oberschenkel so platziert, dass der Kopf am höchsten liegt.

Besonders am Anfang braucht es ein wenig Geduld und Fingerspitzengefühl, bis die Jungtiere die neue „Milchzitze“ akzeptiert haben. Nur nicht aufgeben! Immer daran denken, dass die Jungen die Nahrung dringend benötigen!

Die Menge, die pro Mahlzeit verabreicht werden kann, variiert je nach Jungtier. Es gibt Hörnchen, die nur wenig auf einmal aufnehmen können und andere die man fast schon als „Nimmersatt“ bezeichnen kann. Jedenfalls sollte man dem Jungtier nie mehr Milch auf einmal aufzwingen, als es freiwillig zu trinken bereit ist. Lediglich wenn das Jungtier partout nicht trinken will und somit sein Überleben auf dem Spiel steht, muss man mit einer gewissen Beharrlichkeit und sanftem Druck nachhelfen.

Sollten die Jungen Blähungen bekommen, dann kann man ihnen einen Tropfen SAB- Tropfen direkt in den Mund verabreichen.
Gegen Durchfall kann man der Milchmischung entweder prophylaktisch Perenterol beigeben oder diese mit Schwarztee (2. Aufguss) statt mit Fenchel anrühren.


Mengenangaben pro Mahlzeit

Die folgenden Mengenangaben pro Mahlzeit sind Richtwerte, die auf unseren Erfahrungen beruhen. Wir erheben damit keinen Anspruch auf Gültigkeit, entsprechend sind die Angaben ohne Gewähr und dienen nur zur Orientierungshilfe:




Nach der Fütterung

Nach der Fütterung sollte man die Jungtiere gründlich waschen, weil sonst das Fell verkleben kann. Dazu benutzt man entweder ein angefeuchtetes Tuch oder Wattestäbchen. Man sollte jedoch darauf achten, dass die Jungen nicht zu nass werden, weil sie sonst leicht unterkühlen. Sobald sich die Kleinen selbst anfangen zu putzen, entfällt diese Aufgabe mehr und mehr.

Es empfiehlt sich die Jungtiere nach dem Säugen, in ein Stück Tuch oder Fell (Kaninchen- oder Schaffell) einzuwickeln und ihnen dann in aufrechter Lage, ganz behutsam mit dem Finger gleichmässig, rhythmisch auf den Rücken zu tippen (vgl. Babys die ein Bäuerchen machen). Denn es kommt vor, dass die Jungtiere beim Säugen Luft verschlucken, was dazu führen kann, dass sie hinterher erbrechen.

Da die Jungtiere besonders in den ersten Wochen nicht selbständig Urin absetzen können und auch für die Kotabgabe der Darmbereich erst angeregt werden muss, sollte man die Jungen nach der Fütterung am Bauch massieren. Man streicht dabei ein paar Minuten lang mit einem Finger oder einem leicht angefeuchteten Wattestäbchen von der Bauchmitte in Richtung After (das ist übrigens einfacher gesagt als getan, weil die Kleinen nicht gerne still halten – einfach Geduld haben…).


Bauchmassage (am besten mit Wattenstäbchen) nach der Fütterung

Zum Urinieren muss man das Geschlechtsteil mit einem feuchten Wattestäbchen oder Wattebausch antippen, bis das Hörnchen pinkelt. Durch diese Massnahmen wird das Sauberlecken der Mutter nachempfunden und der Kreislauf angeregt.


Analmassage mit Wattenstäbchen nach der Fütterung

Manchmal kann man sich jedoch noch so viel Mühe geben und dennoch pinkelt das Jungtier nicht. Dann kann es vorkommen, dass es sich während dem Schlaf einpinkelt. Das ist nicht weiter schlimm, jedoch sollte man in diesem Fall das Junge mit einem feuchten Lappen abwaschen, damit keine Hautreizungen entstehen. Wenn man ein weisses Tuch ins Nest legt kann man leicht überprüfen, ob die Jungen urinieren, was an sich ein gutes Zeichen ist. Zwischen der 4. – 6. Woche können die Jungen dann alleine pinkeln, wodurch die Massage entfällt.

Man sollte jedoch während der gesamten Handaufzucht den Kot kontrollieren, um feststellen zu können, ob die Jungtiere allenfalls Durchfall bekommen. Dies kann natürlich bei der Futterumstellung immer mal wieder vorkommen, sollte jedoch weder extrem sein, noch längere Zeit anhalten, weil sonst die Jungen schnell dehydrieren könnten.


Feste Nahrung

Je nach Körperkonstitution kann man ab der 3. – 4. Woche anfangen den Jungtieren, vereinzelt ein wenig Baby-Brei (ohne Milch und Zucker) anzubieten. Hierzu eignet sich beispielsweise Vollkorn- Früchtebrei (z.B. Apfel- und Haferbrei im Gläschen von Hipp). Der Brei sollte leicht temperiert werden und kann dann entweder auf einem kleinen Unterteller, einem Kaffeelöffel (Plastik) oder in einem Rechaudkerzen-Gläschen serviert werden. Die Jungtiere lecken den Brei dann mit der Zunge auf.

Ab der 4. – 5. Woche können dann auch ganz klein geschnittene, weiche Früchte (Apfel, Birne, Traube, Banane) und evtl. kleingehackte Nüsse (Haselnuss, Pinienkerne) und Sojasprossen (sehr eiweisshaltig) verabreicht werden. Auch diese bietet man den Jungen vorteilshalber auf einem Unterteller an, jedoch nie zu viel auf einmal, weil sich ihr Magen erst an die Nahrungsumstellung gewöhnen muss.


Aufnahme von erster fester Nahrung

Sobald die Jungen regelmässig Brei, Früchte, Sojasprossen und Nüsse, annehmen, kann die Milchabgabe reduziert werden. Besonders wenn die letzte Mahlzeit am Abend aus Milch, Früchten/Nüssen besteht, kann man evtl. auf eine nächtliche Fütterung verzichten und vielleicht mal wieder 5 – 6 Stunden durchschlafen! Dies gilt insbesondere dann, wenn die Jungen ein Gewicht von 30 – 40g erreicht haben.

Ab der 6. – 7. Woche kann man den Jungen Kleintier- Nagerfutter, bestehend aus Nüssen, Getreide und Sämereien, sowie Vollkorn- Zwieback (ohne Zucker) anbieten. Nüsse mit Schalen können sie jedoch noch nicht selbständig schälen. Dabei muss man ihnen noch behilflich sein.

Ab der 7. – 8. Woche muss die Milchabgabe kontinuierlich reduziert werden, denn von nun an sollte die Milch nur noch eine untergeordnete Rolle im Speiseplan darstellen. Spätestens ab der 9. Woche sollten die Jungen dann ganz von der Milch entwöhnt sein.

Ab der 8. – 9. Woche haben die Jungtiere in der Regel das Selbständigkeitsalter erreicht und müssten nun eigentlich soweit sein, sich selbständig zu ernähren. In diesem Fall darf man sich ruhig auf die Schultern klopfen, weil man es geschafft hat, die Kleinen durchzubringen!


Buchführung zur Gewichtskontrolle

Um sich einen genauen Überblick zu verschaffen, sollte man während der gesamten Zeit der Handaufzucht genau Buch führen, damit man stets die Kontrolle darüber hat, ob die Jungtiere auch wirklich zunehmen oder an Gewicht verlieren. Wenn die Jungtiere abnehmen, sollte der Säuge- Rhythmus allenfalls verkürzt werden.


Die Streifenhörnchen werden während der Handaufzucht täglich gewogen

Wir vermerken in unserer Kontrollliste jeweils das Datum, die Uhrzeit und das Gewicht vor und evtl. nach dem Säugen (auf einen Zehntel Gramm genau bis sie etwa 50g schwer sind, dann wägen wir sie auf einer normalen Küchenwage). Wenn alles gut läuft, sollte das Gewicht mehr oder weniger kontinuierlich steigen. Fällt es jedoch rapide ab, sinken die Überlebenschancen der Jungtiere erheblich. In diesem Fall müsste man evtl. die Grundmischung der Milch oder den Ernährungsplan umstellen.

Ausserdem halten wir noch zusätzlich besondere Ereignisse in der Entwicklung der Hörnchen und den kontinuierlich erweiterten Speiseplan fest. Diese Erfahrungswerte sind für ein anderes Mal sicherlich sehr nützlich, schliesslich ist man ja nicht ständig mit der Handaufzucht konfrontiert.


Bettflasche und Infrarot- Wärmelampe

Wichtig ist es auch, die Jungtiere besonders während den ersten Lebenswochen ständig warm zu halten. Dafür eignen sich eine Bettflasche oder eine elektrische Heizmatte für das Nest und allenfalls eine Infrarot- Wärmelampe während dem Tag. Bei all diesen Hilfsmitteln sollte man jedoch darauf achten, dass den Jungtieren nicht zu warm wird, denn eine Überhitzung ist genauso gefährlich, wie eine Unterkühlung.

Tagsüber kann man die Jungtiere auch in einem Stoffbeutel unter dem T-Shirt tragen, was den Vorteil hat, dass die Jungen durch die konstante Körperwärme gut versorgt sind. Ausserdem bewirken die Bewegungen, dass sich die Jungen nicht allein gelassen fühlen, was für ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit sehr einträglich ist.

Spätestens ab der 5. Woche ist es dann meist nicht mehr möglich sie in einem Beutel herumzutragen, weil sie dann schon zu quirrlig und aktiv sind, um im Beutel zu bleiben.

In diesem Fall bietet sich eine kleine Voliere an, in der ihnen Klettermöglichkeiten geboten werden. Diese Voliere sollte jedoch nicht zu hoch sein, weil sie sich sonst bei möglichen Stürzen verletzen könnten.


Hurra! Die Jungtiere sind über dem Berg!

Ab der 8. – 9. Woche haben die Jungtiere in der Regel das Selbständigkeitsalter erreicht. Nun sollten sie eigentlich soweit sein, sich eigenständig zu ernähren. Je nachdem kann der Entwicklungsprozess etwas verzögert sein, was jedoch nicht so schlimm ist. Auch wenn es mal 10 Wochen dauert, bis sie selbständig sind, wirkt sich das nicht negativ auf ihre weitere Entwicklung aus. Hauptsache ist doch, dass man hat die putzigen Kerlchen durchgebracht hat!

Zusammen ist man durch Freude und Leid gegangen und das ist eine Erfahrung, die verbindet und „Spuren“ hinterlässt. Man darf als Halter ruhig ein wenig stolz sein, dass man es geschafft hat, denn es ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit! Jeder, der ähnliche Erlebnisse durchgemacht hat, weiss diesen Umstand zu schätzen und freut sich ungemein über den Erfolg der anspruchsvollen Mission „Handaufzucht“.

Lieber Grüsse

Layla & Micha


Liebe Grüsse
Layla


burunduk@gmx.ch
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zuletzt bearbeitet 09.05.2011 18:16 | nach oben springen





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