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Streifenhörnchenzucht: Tierliebe oder Gewinnmaximierung?

in Paarung, Zucht & Aufzucht 13.02.2012 00:45
von streififreunde | 1.728 Beiträge

Geschätzte Züchterkollegen und ganz besonders angehende Züchter

In diesem Beitrag geht es im Grunde um moralische Grundsätze in der Streifenhörnchenzucht. Durch die besorgniserregende Tendenz, möglichst exotische Farbschläge zu züchten, besteht die grosse Gefahr, dass der gesamte Streifenhörnchen- Bestand grossen Schaden nimmt. Ich bitte euch deshalb, den unten stehenden Beitrag durchzulesen und ich hoffe von ganzem Herzen, dass mein Appell möglichst viele Züchter erreicht! - ganz zum Wohle unserer gestreiften Lieblinge!


Mutationen in der Zucht
Grundsätzlich sind Mutationen bei Säugetieren ein natürlicher Prozess. Ob sich eine Mutation hinterher als Selektionsvor- oder -nachteil erweist, kann man so erst mal nicht sagen. Fact ist, dass in der freien Natur gewisse Mutationen eher einen Nachteil darstellen und deshalb die Weitergabe dieser Mutation von selbst geregelt wird. So sind beispielsweise ein weisses Fell, Sehstörungen, Taubheit usw. klare Selektionsnachteile und die Überlebenschancen dieser Tiere eher gering.

Doch diese natürlichen Selektons- Prozesse werden durch gezielte Zuchten bestimmter Mutationen ausgesetzt. Denn nun kann keine natürliche Auslese/ Selektion mehr stattfinden, sondern der Züchter entscheidet, in welche Richtung sich seine Zucht entwickeln soll.
Das bedeutet, dass ein Züchter eine grosse Verantwortung trägt, denn von seinen Entscheidungen hängt es ab, ob der Fortbestand einer gesunden, vitalen Zuchtpopulation gesichert wird oder ob dem Genpool durch verantwortungsloses Herumexperimentieren erheblicher Schaden zugefügt wird.

Gefahr von Zuchtschäden durch Gewinnmaximierung
Leider scheint es aber viele "Züchter" zu geben, die ihre Zuchtziele nach dem Kriterium der grösstmöglichen Gewinnmaximierung richten. Ohne jeglichen Skrupel oder in sträflicher Unkenntnis über die möglichen Folgen ihres fahrlässigen Handelns versuchen sie, möglichst exotische Farbschläge zu züchten. Je grösser dabei die Zuchtanlage ist, umso verheerender können die Folgen für die gesamte Streifenhörnchen- Population sein, denn besonders die verdeckt vererbten Zuchtschäden können sich dadurch rasend schnell ausbreiten und so schon binnen weniger Jahre zu einer Katastrophe führen!

Ich möchte dies an folgendem Beispiel verdeutlichen:

Anfangs gab es "nur" naturfarbene Streifenhörnchen. Es waren die Nachkommen von Wildfängen, die genetisch gesund und "sauber" waren. Durch eine Laune der Natur, kam es dann zu den ersten leuzistischen (weissen) Hörnchen, quasi ein Gendefekt, der eben dann und wann vorkommen kann.

Nun, in der freien Natur hätten diese leuzistischen Hörnchen einen Selektionsnachteil gehabt, denn durch ihr auffälliges Fellkleid wären sie von Fressfeinden viel leichter entdeckt worden, sprich: Die meisten hätten wahrscheinlich nicht mal die Gelegenheit dazu bekommen, sich fortzupflanzen, deshalb wäre dieser Gendefekt nur in sehr begrenztem Masse weiter vererbt worden.

Doch in der Zucht herrschen andere Gesetze! Dort regeln leider die Nachfrage und der Preis das Geschehen. Als also die ersten leuzistischen Hörnchen (per Zufall) in der Zucht auftauchten, gab es einen derartig hohen Run auf diese (noch) seltenen Streifenhörnchen, dass Käufer bereit waren Unsummen dafür zu zahlen.

Ganz klar, was dann passierte! Einige Züchter hatten das grosse Geld gerochen und begannen damit, diesen Gendefekt um jeden Preis und ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Tiere nachzuzüchten. Da dieser Gendefekt rezessiv vererbt wird, brauchte es zwei Generationen, bis garantiert weisse Jungtiere auf die Welt kamen.

In der 1. Generation fielen „nur“ Spalterben, das heisst, die Jungtiere waren phänotypisch, also dem Aussehen nach naturfarben, hatten aber allesamt die Veranlagung für Leuzismus geerbt. Will heissen, es gab in dieser Generation keine reinerbigen, naturfarbenen Streifenhörnchen mehr! Um den Prozess nun zu beschleunigen wurden diese Jungtiere wieder miteinander verpaart (Inzestzucht) und so fielen in der 2. Generation die ersten weissen Jungtiere.

Ohne Sinn und Verstand verpaarten verantwortungslose Züchter sodann die weissen Hörnchen miteinander, was schliesslich in einer Katastrophe mündete. Denn als unmittelbare Folge dieser Intensivzuchten kam es bei den Jungtieren zu Sehbehinderungen, Taubheit, Störungen des Nervensystems, und zu schweren Missbildungen.

Es dauerte Jahre, bis sich dann endlich die Erkenntnis durchsetzte, dass man zwei weisse Streifenhörnchen nicht miteinander verpaaren darf. Deshalb züchten seriöse Züchter heute nur noch über naturfarbene oder zimtfarbene Hörnchen.

Dadurch konnten die schlimmsten Zuchtschäden zwar weitestgehend ausgemerzt werden, aber dennoch hat dieses Zuchtdesaster seine Spuren hinterlassen:

Denn trotz der nunmehr „vernünftigeren“ Zuchtplanung hat die Streifenhörnchen- Population Schaden genommen. Inzwischen ist es nämlich kaum mehr möglich garantiert reinerbige, naturfarbene, also "unverpfuschte" Zuchttiere zu finden, was aber für den seriösen Aufbau einer Zucht dringend erforderlich wäre!

Dies liegt daran, dass quasi als „Nebenprodukt“ der Zucht von weissen Streifenhörnchen massenhaft Spalterben generiert werden. Das ist auch der Grund dafür, dass inzwischen übermässig viele weisse Jungtiere fallen, selbst wenn beide Elterntiere naturfarben sind. Denn wenn zwei Streifenhörnchen miteinander verpaart werden, die beide verdeckte Träger des Leuzismus- Gens sind, dann fallen statistisch gesehen 25% weisse Jungtiere und wiederum 50% Spalterben!

Doch jetzt da die weissen Hörnchen keine Seltenheit mehr sind, kann man auch nicht mehr derart hohe Gewinne erzielen, also "experimentieren" manche Züchter munter weiter. Und nun sind bereits die nächsten Farbvarianten in der Zucht aufgetaucht! Neben grauen und beigen Streifenhörnchen finden sich bereits die ersten Schecken auf dem Markt!

Und weil man mit diesen Exoten wiederum einen viel höheren Gewinn erzielen kann, geht das ganze Drama wieder von vorne los!

Besonders die Schecken bereiten mir dabei grosse Sorgen:
Da sich viele "Züchter" ja leider nicht mit der Genetik auseinandersetzen oder es ihnen schlicht egal ist, besteht die begründete Gefahr, dass sie versuchen werden, Schecken durch Inzestzucht oder über weiss zu züchten, was letztlich zu denselben verheerenden gesundheitlichen Schädigungen führen wird, wie oben beschrieben.

Denn bei den Schecken handelt es sich um eine abgeschwächte Form des Leuzismus und weil die weissen Hörnchen ja reinerbig in Bezug auf den Leuzismus sind, dürfte man diese nicht verpaaren.

Zu Bedenken gilt es auch, dass einzelne Scheckloki in der Embryonalentwicklung zu schweren Missbildungen, Sehstörungen, Taubheit und zu Störungen des Nervensystems der betroffenen Tiere führen können, wenn die Tiere auf beiden parallelen Chromosomen das mutierte Gen haben.

Es gibt zwar auch Scheckloki die zu harmlosen Mutationen, also lediglich zu weissen Flecken führen. Aber das kann man den Tieren erst mal nicht ansehen, dazu bräuchte es einen Gentest!

Die Zucht von Schecken sollte also - wenn überhaupt - nur von sehr erfahrenen und vor allem von wirklich verantwortungsvollen Züchtern betrieben werden!

Aber ich höre jetzt schon die meist ahnungslosen Käufer nach den neuen „Exoten“ schreien und so wird es mit Sicherheit irgendwelche gewissenlose Züchter geben, welche noch so gerne bereit sind diese Nachfrage zu befriedigen!

Die ganze Entwicklung mit den exotischen Farbschlägen ist wirklich sehr, sehr besorgniserregend und gefährdet auf Dauer den gesamten Streifenhörnchen- Bestand! Denn je mehr herumexperimentiert wird, desto mehr (unerwünschte) Mutationen werden sich einschleichen.

Man braucht kein Prophet zu sein, um einen Blick in die Zukunft werfen zu können! Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis es bei Streifenhörnchen zu ähnlichen, verheerenden und möglicherweise irreversiblen Zuchtschäden und Qualzuchten kommt, wie beispielsweise bei Farbmäusen oder Ratten!

Verantwortungsvolles Züchten heisst auch Aufklärungsarbeit zu leisten

Um dem oben beschriebenen Trend entgegen wirken zu können, müssten die diejenigen Züchter, welche eben nicht des Geldes willen, sondern aus Liebe und tiefstem Respekt Streifenhörnchen züchten endlich aus ihrem Schattendasein treten und anfangen Aufklärungsarbeit zu leisten.

Viele (angehende) Streifenhörnchen- Halter sind sich einfach nicht bewusst, dass sie mit ihrem Kaufverhalten, den Markt entscheidend beeinflussen und mit ihrem Verlangen nach „exotischen“ Farbvarianten wesentlich dazu beitragen, gewissenlose Züchter zu motivieren, herumzuexperimentieren. Denn:

Wo es keine Nachfrage gibt, da gibt es auch keinen Markt!



Aufklärung heisst also das Zauberwort! Aber wie?

Das es verhältnismässig wenig Informationsmaterial in Form von (Fach-) Büchern gibt, wenden sich viele Streifenhörnchen- Interessierte direkt an Züchter oder sie suchen spezialisierte Streifenhörnchen- Foren im Internet auf, um sich zu informieren.

Gerade letzteres wäre das ideale Medium, um breit angelegte Aufklärungsarbeit zu leisten. Durch diese Plattformen erreicht man bei weitem die meisten Interessenten.

Das Problem ist jedoch, dass es nur wenige Foren gibt, wo man offen über das Thema Zucht und damit auch über die problematische Seite von Intensivzuchten sprechen kann. Das ist dann leider die Kehrseite davon, dass man dieses Thema ausklammert, denn so können wichtige Informationen nicht in Umlauf gebracht werden. Und genau deshalb wissen die angehenden Käufer auch nicht Bescheid.

Wir wurden schon oft angefeindet, weil wir alle unsere Erfahrungen, insbesondere diejenigen der Zucht und Aufzucht transparent und damit für Interessierte zugänglich machen. Uns wird vorgeworfen, dass wir damit unerfahrene Halter dazu animieren könnten, in die Zucht einzusteigen, die ja aber nur „erfahrenen“ Züchtern überlassen werden sollte. (Erfahren ist aber nicht unbedingt gleichbedeutend mit seriös!!!)

Diese Argumentation mag zwar nachvollziehbar sein, aber aus Erfahrung wissen wir, dass sich angehende Züchter dadurch keineswegs aufhalten lassen. Ohne Informationen züchten sie dann halt einfach aufs Geratewohl drauf los, nach dem Motto: Es wird schon schief gehen!

Durch eine transparente Information über Zucht und Genetik und einen offenen Erfahrungsaustausch unter Züchtern, könnten schon mal diejenigen Streifenhörnchen- Halter, die sich seriös auf eine Zucht vorbereiten wollen, auf mögliche Probleme und Gefahren der Zucht vorbereitet und sensibilisiert werden.

Somit würde sich der Kreis, seriöser Züchter vergrössern und auch die Gefahr von Zuchtschäden würde sinken. Ausserdem könnten die Züchter wiederum auf die Interessenten Einfluss nehmen, welche allenfalls mit dem Gedanken spielen, sich ein Streifenhörnchen mit einer seltenen Farbvariante zuzulegen.

Nur durch eine tierliebende und verantwortungsvolle Grundhaltung der Züchter einerseits und eine intensive Aufklärung angehender Halter andererseits, kann es uns gelingen, einen gesunden Fortbestand der Streifenhörnchen- Population zu erreichen.

Das sind wir unseren gestreiften, kleinen Lieblingen schuldig! – Oder etwa nicht?


Liebe Grüsse
Layla


burunduk@gmx.ch
http://www.burunduk.ch
zuletzt bearbeitet 11.05.2013 20:14 | nach oben springen

#2

RE: Streifenhörnchenzucht: Tierliebe oder Gewinnmaximierung?

in Paarung, Zucht & Aufzucht 13.02.2012 19:25
von Tarzan&Jane | 2.896 Beiträge

Liebe Layla!

Du hast das wirklich wunderbar verständlich geschrieben - Danke!

Du hast voll recht, nur durch Aufklärung der Genetik bzw. Zucht im Allgemeinen kann man etwas erreichen.

Diese "Stellen" (nenne es mal so) die diese Vorgangsweise ankreiden meinen, dass sie die spalterbigen Hörnchen durch Hinweise wie: "nur gleichgeschlechtliche Haltung - Paarhaltung ist problematisch" vertuschen können, ohne den zukünftigen Haltern richtige Hinweise zu geben, dass diese Tiere nicht zum Züchten geeignet sind.

Und so wie es ist - wenn man selbst ein schlechtes Gewissen hat bzw. etwas verbergen will, wird man schnell einmal grob - so liest man in diversen Foren ständig Grobheiten gegenüber "Vermehrern" - ob sich diese nun seriös über Zucht informieren haben, ihnen von anderen Züchtern ein Paar verantwortungslos eingeredet wurden oder wirklich nur den "Jö, so süße Babys" oder "Zuverdienst" im Auge haben.


Es kommt natürlich immer zum selben Ergebnis - die Tiere werden vermehrt und vermehrt - egal von den sogenannten seriösen Züchtern oder auch in Hobbyzuchten - und dann wundert man sich, warum es zeitweise gehäufte plötzliche Todesfälle von jungen Hörnchen gibt.

Liebe Layla, wenn sich auch nur ein Halter von Hörnchen durch deinen Bericht inspirieren ließ, dann hast du schon einen Erfolg erzielt - und so wird es auch sein!

Birgit


zuletzt bearbeitet 13.02.2012 20:56 | nach oben springen





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