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Kokzidien

in Krankheiten und Verletzungen 20.05.2012 22:24
von streififreunde | 1.728 Beiträge

Endoparasiten – Kokzidien

Protozoen

Protozoen sind einfach gesagt winzige Einzeller (Urtiere) die zwar keine Zellewand, aber dafür im Gegensatz zu Bakterien einen Zellkern besitzen.


Die Protozoen können nach morphologischen Gesichtspunkten in 4 Gruppen unterteilt werden:
• Sporozoen (Sporentierchen)
• Ciliaten (Wimperntierchen)
• Flagellaten (Geisseltierchen)
• Rhizopoden (Wurzelfüsser)

Diese Einteilung wird in der Medizin zwar immer noch benutzt, ist aber veraltet. In der Biologie wird der Begriff "Protozoa" zwar noch verwendet und im allgemeinem Laboralltag auch die Einteilung genutzt, allerdings ist diese in Wirklichkeit sehr viel umfangreicher und schwieriger vorzunehmen als diese schlichte Einteilung es vermittelt.

Protozoen als Parasiten

Von den etwa 40.000 beschriebenen „Protozoen-Arten“ sind etwa 8.000 Parasiten, von denen wiederum etwa 70 beim Menschen parasitieren. Nur etwa 40 Infektionen durch Protozoen können auch eine Krankheit hervorrufen.
Unter Protozoen- Infektion versteht man das aktive oder passive Eindringen von Protozoen (tierischen Einzellern) in einen Organismus, deren dortige Vermehrung und die darauf folgende Reaktion des Organismus in Form einer Erkrankung.


Übertragungswege von Protozoen

Manche Protozoen werden über verunreinigte Nahrung oder Wasser aufgenommen, wo sie hautsächlich den Darm oder die Leber, je nach Art aber auch andere Organe, wie die Niere oder das Hirn befallen können.
Andere werden (besonders in den Tropen) durch Insektenstich übertragen und befallen zunächst Zellen im Blut. Von dort aus können sie dann ihre verschiedenen anderen Zielorgane erreichen.
Eine Infektion in unseren Bereitengraden erfolgt sehr oft durch kontaminiertes Grünfutter von Wiesen, zu denen auch Wildtiere Zugang haben, durch verunreinigtes Einstreu oder durch den Verzehr von Zwischenwirten (Schnecken, Ektoparasiten etc.).
Stress oder ein geschwächtes Immunsystem kann den Ausbruch von Krankheitssymptomen zusätzlich unterstützen.

Rolle von Protozoen bei Heimtieren

Die am weitesten verbreiteten Protozoen in unseren Bereitengraden bei Heimtieren sind Kokzidien (in der Regel Kokzidien der Unterordnung Eimeriidae) und Toxoplasma (Toxoplasma gondii).

Kokzidien (hier beschränkt auf die Unterordnung Eimeriidae & Toxoplasmose gondii)
Kokzidien (Coccidia) sind eine Ordnung der Sporentierchen, einer Klasse der Protozoen, die in der Regel intrazellulär parasitisch in höheren Tieren, z.B. Säugetieren leben.
Eimeria-Arten sind die typischen Erreger der Kokzidiose und gehören den Sporozoen an. Als Wirte kommen zahlreiche Säugetiere, aber auch Vögel, Reptilien, Amphibien oder Fische in Frage.
Ebenfalls zu den Kokzidien gehört Toxoplasma gondii, der Erreger der Toxoplasmose. Endwirte sind Katzen, als Zwischenwirt dienen jedoch die verschiedensten Wirbeltiere. Es ist der bislang einzige bekannte Vertreter der Gattung Toxoplasma.

Merkmale Sporozoen (Sporentierchen)



Eimeria Oozyste


Die Charakteristischen Merkmale von Sporozoen sind:
• ein Polringkomplex am apikalen Ende
• ein Konoid, das zum Durchdringen der Wirtszell-Membrane dient
• Rhoptrien, die lytische Enzyme und Serin/Threonin-Kinasen enthalten und z. B. an der Auflösung roter Blutkörperchen beteiligt sind
• Mikronemen, langgestreckte, auf Membranverdickungen beruhende Gebilde
• eine "gleitende" Fortbewegung, die ohne Geisseln oder Flagellen, Zilien oder Veränderungen in der Zellform vonstattengeht


Lebensweise
Kokzidien sind winzige Einzeller, die entweder in den Zellen der Darmschleimhaut (Darmkokzidiose) oder in der Leber oder den Gallengängen (Leberkokzidiose) schmarotzen. Je nach Art können aber auch andere Organe betroffen sein.
Die Erkrankungen durch Kokzidien nennt man Kokzidiosen. Sie kommen bei nahezu allen Säugetierarten, wie beispielsweise bei Hunden, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Nutzvieh, aber auch Geflügel und Fischen vor.
Die Übertragung von Kokzidien erfolgt in der Regel über infiziertes Futter oder Einstreu. Die Tiere können sich aber auch durch Kot verunreinigtes Wasser anstecken.
Kokzidien entwickeln sich in einem komplizierten mehrphasigen Zyklus, wobei je nach Art ein oder mehrere Wirte parasitiert werden. Die Ansteckung erfolgt durch ausgeschiedene, sporulierte Oozysten („Ei- Blasen“), die nachdem sie ein paar Tage ausgereift und in einem infektionstüchtigen Stadium sind, wiederum durch eine Schmutz- oder Schmierinfektion an den nächsten Wirt übertragen werden.
Es gibt aber auch Sporozoen die in ihren Zwischenwirten eine Cystenhülle bilden. Erst wenn diese Zwischenwirte dann wiederum von einem fleischfressenden Endwirt verzehrt werden, entwickeln sich diese weiter und vollenden dabei ihren Zyklus.
Kokzidien haben in der Regel einen Lebenszyklus von 4 – 14 Tagen.

Kokzidien bei Streifenhörnchen
Bei Streifenhörnchen in der Innenhaltung kommen Kokzidien- Infektionen in der Regel nicht so oft vor. Dennoch können die Erreger via kontaminiertes Futter, Wasser oder Einstreu, durch Menschen (Schuhwerk/ Kleider) und andere Haustiere, durch den Wind (ein offenes Fenster) etc. ins Haus getragen werden.
Das Risiko von Toxoplasmose Übertragungen steigt natürlich, wenn im selben Haushalt Katzen leben, die Freigänger sind – die einer Eimerien Übertragung hingegen, wenn im selben Haushalt Kaninchen oder Meerschweinchen leben, die Freilauf geniessen.
Allerdings kommt es eher selten vor, dass Toxoplasmose bei Streifenhörnchen diagnostiziert wird (Achtung! Nachweis mitunter sehr schwierig!). Wenn eine Infektion mit Kokzidien festgestellt wird, dann handelt es sich in der Regel um verschiedene Arten von Eimerien.


Kokzidiose Symptome

Darmkokzidiose
Der Beginn einer Darminfektion mit Kokzidien verläuft meist unbemerkt, solange der Befall gering bleibt. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, etwa durch eine Erkrankung oder kommt es zu einer Belastung etwa durch Stress oder durch eine radikale Futterumstellung, so kann sich eine akute Kokzidiose entwickeln. Dabei vermehrt sich der Parasit sprunghaft, wodurch ausgedehnte Darmschleimhautbezirke befallen und dabei grossflächig geschädigt werden. In der Folge kann die Nahrung nicht mehr ausreichend verdaut und aufgenommen werden, was zu einer sichtlichen Abmagerung führt. Als Begleitsymptome können in dieser Phase auch eine Fressunlust/ Appetitverlust einhergehend mit Apathie und zunehmender Schwäche beobachtet werden.
Parallel dazu kommt es zu anfangs zu unförmigen, weichen Kötteln und im weiteren Verlauf zu einem übel riechenden, schleimigen, bis blutigem Durchfall, der schnell lebensbedrohliche Ausmasse annehmen kann.
Da ein Befall mit Darmkokzidien zu Störungen des Darmmileus führt, kann es leicht zu Sekundärinfektionen kommen, weil die Ausbreitung von Hefepilzen und/oder von pathogenen Bakterien (z.B. E. coli) begünstigt wird. Dabei kann es zu starker Gasbildung im Darm kommen, was optisch durch einen Blähbauch sichtbar wird.
Die durch die Kokzidiose ohnehin schon geschwächten Tiere können diesen Erregern oft kaum mehr etwas entgegen halten und so sterben nicht wenige Betroffene spätestens an diesen Sekundärinfektionen.

Leberkokzidiose
Bei einer Leberkokzidiose hingegen kommt es zu einer ausgedehnten Entzündungen der Gallengänge und einer Leberschwellung. Die betroffenen Tiere sind zunehmend Apathisch und magern ab, wobei Durchfälle in diesem Falle eher selten sind. Bei schweren Verläufen kommt es als Folge der Entzündungen und des geschwächten Immunsystems zu Verstopfungen und Aufgasungen und eventuell zu Gelbsucht, die unbehandelt tödlich verläuft.
Wird eine Kokzidiose schnell erkannt und erfolgreich behandelt, kann sie rasch abheilen. Bei starkem Befall oder später Diagnose kann sie jedoch auch tödlich verlaufen. Insbesondere bei Jungtieren und älteren Tiere ist die Mortalitätsrate bei später Behandlung sehr hoch.

Toxoplasmose
Hörnchen scheinen relativ empfindlich gegenüber einer Infektion mit Toxoplasma gondii zu sein. Eine Infektion führt zu entzündlichen Veränderungen und Pseudozysten besonders in der Lunge und im Gehirn, seltener betroffen sind Leber, Nieren und Herz. Symptome sind zentralnervöse Störungen, Kopfschiefhalten, unsicherer, wackeliger Gang, Stürze, Krämpfe und Lähmungen. Nicht selten kommt es bei einer Infektion mit Toxoplama zu akuten Todesfällen.
Bei Nagetieren konnten ausserdem durch Toxoplasma verursachte Verhaltensänderungen nachgewiesen werden. So verlieren infizierte Tiere beispielsweise ihre Scheu gegenüber dem Geruch von Katzen. Dadurch fallen sie entsprechend leicht jagenden Katzen zum Opfer, was dem Lebenszyklus von Toxoplasma wiederum förderlich ist.


Prophylaxe und Therapie

Prophylaxe
Die Gefahr einer Kokzidien- Infektion von Heimtieren kann durch verschiedene Massnahmen vermindert werden. Frischfutter von Grünflächen sollte gründlich mit heissem Wasser abgespült werden. Da Wildkaninchen häufig Träger von Kokzidien sind, sollte man besser auf Frischfutter von Wiesen verzichten, zu denen auch Wildkaninchen Zugang haben.
Da von Katzen als Endwirte für Toxoplasmose die grösste Übertragungsgefahr ausgeht, sollte darauf geachtet werden, dass andere Haustiere nicht mit möglicherweise infiziertem Kot in Berührung kommen können.

Nachweis
Darmkokzidien werden durch die Untersuchung einer Kotprobe nachgewiesen. Hierfür bringt man eine Kotprobe zum Tierarzt, wo durch eine mikroskopische Untersuchung ein entsprechender Nachweis geliefert werden kann. Achtung: Da die Oozysten nicht fortwährend ausgeschieden werden, könnte es bei einer einzelnen Kotprobe fälschlicherweise zu einem negativen Testergebnis kommen. Daher sollte bei einem Verdacht auf Kokzidien stets eine Sammelkotprobe abgegeben werden.
Eine Leberkokzidiose lässt sich nicht so einfach nachweisen wie eine Darmkokzidiose. Hinweise sind schlechte Leberwerte und ein ein Anstieg der Bilirubin-Konzentration im Blut.
Toxoplasmose ist zwar für viele Tiere infektiös, aber nur die Katze ist der Endwirt und scheidet infektiöse Eier aus. Daher kann Toxoplasmose bei den meisten Säugetieren nicht mittels einer Kotprobe festgestellt werden. Um den Toxoplasmose-Erreger direkt nachweisen zu können, ist eine Gewebeprobe notwendig, was je nach dem ein heikler Eingriff sein kann. Deshalb besteht das gängige Verfahren zur Toxoplasmose-Diagnose darin, den Erreger indirekt mit Hilfe einer Blutprobe nachzuweisen (bei kleineren Tieren sehr schwierig) Durch eine Blutuntersuchung kann festgestellt werden, ob der Organismus Antikörper gegen den Erreger der Toxoplasmose gebildet hat.

Therapie
Zur Behandlung werden meist Präparate eingesetzt, die den Wirkstoff Toltrazuril (z.B. Baycox) beinhalten. Dieser hat ein breites antikokzidielles Wirkungsspektrum und ist gegen fast alle Kokzidienarten der Haus- und Nagetiere, einschliesslich Sarcocystis und Toxoplasma, wirksam. In der Regel wird das Medikament mit Wasser verabreicht, alternativ kann auch Babybrei genommen werden. Die Behandlung erfolgt meist an drei hintereinander folgenden Tagen, dann eine Pause von drei Tagen und danach nochmals eine 3tägige Behandlung.
Bei den nicht seltenen bakteriellen Begleitinfektionen (vor allem E. coli) sind Breitband-Antibiotika angezeigt.

Andere Massnahmen
Parallel zur medikamentösen Behandlung muss der Infektionskreislauf/ Reinfektion ist durch eine gründliche Volierendesinfektion unterbrochen werden. Dazu muss erst das gesamte Streu entsorgt werden und das Inventar entfernt werden.
Die Voliere muss dann gründlich mit heissem Wasser, noch besser mit einem Dampfstrahler sehr gründlich gereinigt werden, da Oozysten bei Temperaturen über 60°C innerhalb von Sekunden absterben. Allenfalls hilft auch eine Heissluftpistole schwer zu reinigende Stellen zu desinfizieren.
Fliesen und ähnliche Untergründe, sowie glasierte Keramikgeschirre können mit dem Desinfektionsmittel Neopredisan desinfiziert werden. Das gängige Bactazol ist dagegen wirkungslos.
Das Inventar sollte auch entweder ausgekocht, überbrüht oder mit dem Dampfstrahler desinfiziert werden.
Achtung: Oocysten sind extrem widerstandsfähig und können teilweise sehr lange überleben!
Nach der Reinigungsaktion sollte man die Voliere und das Inventar bis zum Quarantäneende gründlich durchtrocknen lassen.
Die betroffenen Tiere sollten zwischenzeitlich in ein leicht zu reinigendes (Quarantäne-)Gehege umgesiedelt werden. Gegen Ende der Quarantänezeit empfiehlt es sich, nochmals eine Sammelkotprobe abzugeben, um sicherzugehen, dass die Kokzidiose auch wirklich erfolgreich bekämpft wurde.


Ausführlichere Informationen rund ums Thema Parasiten demnächst auf unserer HP www.burunduk.ch


Liebe Grüsse
Layla


burunduk@gmx.ch
http://www.burunduk.ch
zuletzt bearbeitet 20.05.2012 22:37 | nach oben springen

#2

RE: Kokzidien

in Krankheiten und Verletzungen 20.05.2012 23:41
von Tarzan&Jane | 2.896 Beiträge



Layla, das ist wieder eine Doktorarbeit! Vielen, vielen Dank! So interessant und soooo wichtig!

Liebe Grüße
Birgit


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