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Alkoholkonsum – Malaysisches Spitzhörnchen ist trinkfest

in Wissenschaft in Bezug auf Hörnchen 12.07.2010 16:33
von streififreunde | 1.728 Beiträge

Alkoholkonsum – Malaysisches Spitzhörnchen ist trinkfest

Was für ein Leben! Das Federschwanz-Spitzhörnchen geht in den Regenwäldern Malaysias regelmässig nachts Palmbier trinken und wird dabei nie betrunken. Forscher schliessen daraus: Chronischen Alkoholkonsum gab es schon lange vor dem Menschen.





Das Federschwanz-Spitzhörnchen kann Alkohol besser verarbeiten als der Mensch. Regelmässig trinkt es den vergorenen Blütennektar der Bertam-Palme - ein Gebräu, das immerhin bis zu 3,8 Prozent Alkohol enthält. Dabei zeigt das nachtaktive Tier jedoch keinerlei Anzeichen von Trunkenheit, wie der Bayreuther Tierphysiologe Frank Wiens und seine Kollegen in dem Fachmagazin "Proceedings Of The National Academy Of Sciences" (Bd. 105, S. 10426) berichten.

Wiens, der als freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Tierphysiologie der Universität Bayreuth arbeitet, hatte gemeinsam mit der Bayreuther Wissenschaftlerin Annette Zitzmann und internationalen Kollegen über viele Jahre das Ernährungsverhalten der Federschwanz-Spitzhörnchen (Ptilocercus lowii) untersucht und dabei die erstaunliche Entdeckung gemacht. Das in Südthailand und Malaysia beheimatete Tier hat etwa die doppelte Grösse einer Maus und ist mit den Primaten verwandt.

Wiens und Zitzmann hatten bei der Beobachtung des Spitzhörnchens festgestellt, dass der zu Alkohol fermentierte Blütennektar der Bertam-Palme Hauptnahrungsbestandteil des nachtaktiven Säugers ist. Der Saft der Palme wird in den Blütenknospen wie in einer Gärkammer in Alkohol umgewandelt. Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen blüht die Palme kontinuierlich das ganze Jahr über, der Alkoholkonsum der Spitzhörnchen ist daher chronisch. Neben den Spitzhörnchen seien auch noch sechs andere Kleinsäuger bei den nächtlichen Trinkgelagen mit von der Partie, berichten die Forscher.

Videoaufnahmen hätten ergeben, dass jedes Tier mehr als zwei Stunden pro Nacht den alkoholhaltigen Nektar trinkt. "Das war mehr Zeit als für irgendeine andere Nahrung aufgewendet wurde", sagte Wiens. Ihr Alkoholkonsum entspricht, umgerechnet auf menschliche Verhältnisse, zwölf Gläsern Wein, die eine Frau in einem Zeitraum von zwölf Stunden trinkt. "Gemessen an dem aufgenommenen Alkohol müssten sie eigentlich jede dritte Nacht betrunken sein", sagte der Wissenschaftler. "Sie sind es aber nicht."

Den hohen und dennoch folgenlosen Alkoholkonsum der Tiere bestätigte auch eine Analyse von Haaren der Federschwanzhörnchen. Bei allen untersuchten Haaren seien extrem hohe Werte sogenannter Biomarker für Alkohol festgestellt worden. Anhand dieser Biomarker lässt sich ermitteln, ob jemand über einen langen Zeitraum hinweg grosse Mengen Alkohol zu sich genommen hat.

Positive Wirkung des Alkohols nicht ausgeschlossen
Die unerwartete Beobachtung werfe auch ein neues Licht auf die Entwicklung des Alkoholkonsums unter den Vorfahren der Primaten - und damit auch des Menschen. Wiens vermutet, dass der Stoffwechsel der untersuchten Tiere in Bezug auf Alkohol weitaus effektiver sei als der von Menschen. "Das Federschwanzhörnchen kann seinen Organismus nach dem Konsum von Alkohol offenbar schneller entgiften, als dies bei Menschen der Fall ist", sagte der Wissenschaftler.

Nach Wiens Einschätzung müssen möglicherweise Theorien zum Alkoholkonsum verändert werden. Bislang sei man davon ausgegangen, dass die Menschheit und ihre Ahnen vor der Erfindung des Bieres vor etwa 9000 Jahren entweder gar nicht an Alkohol gewöhnt waren oder nur an sehr geringe Dosen in überreifen Früchten. Die Untersuchung zeige hingegen, dass ein regelmässiger hoher Alkoholkonsum schon sehr früh in der Evolution der Primaten vorkam. "Alkoholkonsumierende Spitzhörnchen gehören zu den engsten lebenden Verwandten der Primaten und kommen in ihrer Ökologie und ihrem Verhalten unseren gemeinsamen Ahnen, die vor mehr als 55 Millionen Jahren gelebt haben, sehr nahe", sagte Wiens.

Dass die Spitzhörnchen nicht betrunken sind, schliesst jedoch eine Wirkung des niedrigen Alkoholspiegels im Blut nicht aus. Vielmehr vermutet Wiens, dass der Alkohol positive psychologische Effekte hat: "Alkoholkonsum bei Spitzhörnchen ist ein Ergebnis der natürlichen Selektion. Deshalb sollte für die Tiere unter dem Strich ein Nutzen stehen." In weiteren Studien wollen die Forscher dafür Belege suchen. "Wir hoffen, dadurch auch das menschliche Trinkverhalten besser zu verstehen."

Gefunden auf: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur...,568580,00.html


Liebe Grüsse
Layla


burunduk@gmx.ch
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zuletzt bearbeitet 14.07.2010 23:15 | nach oben springen




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